Mit knapper Mehrheit hat die Greifswalder Bürgerschaft bei ihrer heutigen 30. Sitzung für die Annahme einer gemeinsamen Beschlussvorlage der Fraktionen Bündnis 90/DIE GRÜNEN Forum 17.4, SPD und DIE LINKE gestimmt. Somit wird die Hansestadt nun der Bundeskanzlerin sowie dem Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald Unterstützung bei der Aufnahme von aus dem Mittelmeer geretteten Geflüchteten anbieten.
Greifswald folgt damit dem Beispiel zahlreicher anderer Gemeinden und Städte in Deutschland. Neben Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln und Bremen hatte sich auch Greifswalds Partnerstadt Osnabrück zuvor schon zum „sicheren Hafen“ erklärt und damit die Aufnahme weiterer Geflüchteter angeboten. „Pressemitteilung – Greifswald erklärt sich zum sicheren Hafen“ weiterlesen
Offener Brief an die Bürgerschaft der Hansestadt Greifswald
Erklärt Greifswald zum sicheren Hafen!
Sehr geehrte Mitglieder der Greifswalder Bürgerschaft,
seit Monaten eskaliert die humanitäre Katastrophe im südlichen Mittelmeer, bei der Tag für Tag unzählige Menschen bei dem Versuch, auf ihrer Flucht vor Krieg, Verfolgung und existentieller Not die sicheren Häfen Europas zu erreichen, in den Fluten des Mittelmeeres ertrinken.
Wir Europäer*innen werden nicht müde, unseren Kontinent als Wiege der Demokratie und Humanität zu glorifizieren, machen aber derzeit bei dieser Krise vor unseren Grenzen eine wahrlich schlechte Figur. Statt sich mit den eigentlichen Fluchtursachen auseinanderzusetzen und diese zu bekämpfen, konzentrieren sich die Anstrengungen Europas, inklusive Deutschlands, vor allem darauf, sich gegen die angeblich drohende „Flut“ an Flüchtenden aus dem Süden abzuschotten. Dafür werden zwielichtige Regimes und ihre Milizen für das Abfangen von Flüchtenden vor Europas Grenzen mit Unsummen an europäischen Steuergeldern bezahlt und die Fluchtbarrieren in immer gefährlichere Gegenden verschoben. „Offener Brief an die Bürgerschaft der Hansestadt Greifswald“ weiterlesen
Impressionen von der Unteilbar-Demonstration in Berlin
Hier ein paar Eindrücke, die wir auf der Unteilbar Demonstration in Berlin sammeln durften.
Redebeitrag der Gruppe „Seebrücke MV“
Baut Brücken – keine Mauern!
Während wir hier stehen und angesichts des ungemütlichen Windes der letzten Tage unserem Sommer nachtrauern, hat auch im Mittelmeer der Herbst Einzug gehalten. Schockiert registrieren wir die Nachrichten von Hurricane-artigen Stürmen, die „unsere“ Urlaubsküsten in Griechenland und der Türkei bedrohen. Beim Anblick der Bilder hoffen wir, dass unsere Lieblingstaverne dort verschont bleibt, damit sie uns auch im nächsten Pauschalurlaub noch billig und reichlich auftischen kann.Gleichzeitig setzt sich auf der anderen Seite des Meeres, weitgehend durch Europas Medien und Einwohner ignoriert, die humanitäre Katastrophe vor der nordafrikanischen Küste fort. Ungeachtet der sich verschlechternden Wetterbedingungen und der faktisch zum Erliegen gekommenen Seenotrettung steigen noch immer verzweifelte Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung oder einem menschenunwürdigen Leben in zerbrechliche und überfüllte Boote, um über das Mittelmeer den vermeintlich sicheren Boden Europas zu erreichen. Für viele ist dies nur die letzte Etappe einer entbehrenden und gefährlichen Flucht durch das weite und lebensfeindliche Hinterland der nordafrikanischen Staaten. Es ist oft lediglich das Finale einer langen Serie von Leid und Gewalt, die spätestens an der Mittelmeerküste in einem traurigen Höhepunkt gipfelt: Der sklavenartigen Zwangsarbeit in einem der vielen Lager, in denen die ankommenden Flüchtenden vor allem in Libyen für Monate oder gar Jahre zusammengepfercht werden.
Was aber bringt diese Menschen dazu, sich im Angesicht der offenkundigen Gefahr und trotz geringer Aussichten auf Erfolg dennoch auf eine derartige Flucht zu begeben? Sicherlich lockt nicht das behagliche Klima oder die „gastfreundliche“ und „herzliche“ Mentalität der Mitteleuropäer diese Menschen hierher.
Es ist die schiere Verzweiflung, die sie zur Flucht zwingt, vielleicht verbunden mit dem Traum, dass es irgendwo einen Ort gibt, an dem das elementare Recht auf ein menschenwürdiges Leben auch für sie gelten mag.
Bilderstrecke zur Demo
Bilder, Bilder, Bilder
Bevor wir in den kommenden Tagen eine kleine Galerie mit den Fotos der gestrigen Fahrraddemo in Stralsund veröffentlichen – hier ein kurzes Video für erste Eindrücke.
06.10.2018 Stralsund “Baut Brücken – Keine Mauern“ – Fahrraddemo from Seebrücke Greifswald on Vimeo.
Schafft sichere Häfen!
PM zur Fahrraddemonstration der Initiative Seebrücke
Zahlreiche Aktivist*innen der Initiative Seebrücke waren am heutigen Samstag auf ihrem Zweirad unterwegs, um mit einer Fahrraddemonstration durch die Innenstadt Stralsunds und über die Rügenbrücke auf die anhaltende humanitäre Katastrophe im südlichen Mittelmeer aufmerksam zu machen. Mit mehreren Redebeiträgen – teils von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer – und der Enthüllung eines 30 Meter langen Banners auf dem Gipfel der Rügenbrücke brachten die Teilnehmer ihr Unverständnis und ihre Empörung über die Außenpolitik der europäischen Staaten zum Ausdruck.
„Wir finden es unerträglich, dass mit unserer aggressiven Wirtschaftspolitik Menschen in anderen Teilen dieser Erde in existentielle Not gebracht werden und dann unglaubliche Summen an Steuergeldern investiert werden, um bereits weit vor den Grenzen der EU unüberwindbare Barrieren zur Abwehr der davon betroffenen Menschen errichten zu lassen“, fasste Stella Maris-Fischer, Sprecherin der Seebrücke in Mecklenburg-Vorpommern, die Motivation vieler Seebrücke-Aktivist*innen zusammen. „Dass in diesem Zusammenhang der Tod hunderter Menschen nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern durch die Kriminalisierung und widerrechtliche Unterbindung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer gezielt forciert wird, ist für viele Bürger*innen eines, sich als humanistisch gebenden Europas, undenkbar“, so Maris-Fischer weiter. „Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit Aktionen wie der heutigen Demonstration auf die unverändert katastrophale Lage im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Ich freue mich sehr, dass heute so viele unserem Aufruf gefolgt sind und auch, dass wir so viel positives Feedback von den Menschen in Stralsund bekommen haben.“
Moralisch unterstützt wurde die Aktion auch vom Bildungslogger „Lovis“, der am Nachmittag vor der Rügenbrücke kreuzte und sich mit einem entsprechend bedruckten Großsegel („No one is illegal“) mit den Aktivist*innen auf der Brücke solidarisch zeigte.

Die dezentrale, internationale Bewegung Seebrücke – schafft sichere Häfen! formierte sich im Frühjahr diesen Jahres spontan in verschiedenen Städten Europas, als die Behörden mehrerer Mittelmeerstaaten mit Nachdruck die zivile Seenotrettung zunächst als kriminell diffamiert und dann mit fadenscheinigen Begründungen nahezu vollständig unterbunden haben. Seitdem dürfen die meisten zivilen Seenotrettungsschiffe nicht mehr auslaufen, obwohl derzeit keine hinreichende staatliche Infrastruktur vor Ort existiert, die das hohe Aufkommen an Seenotfällen bewältigen könnte. Expertenschätzungen gehen deswegen davon aus, das inzwischen etwa jede*r fünfte Flüchtende bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben kommt. Gleichzeitig werden die ehrenamtlichen Retter*innen derzeit in zahlreichen Gerichtsverfahren angeklagt. Dies geschieht nicht trotz, sondern wegen ihres Engagements zur Einhaltung geltenden Seerechts und der Menschenrechte. Die Initiative fordert unter anderem ein Ende der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung und eine wirkliche Bekämpfung der Fluchtursachen, die darauf abzielt, den Menschen in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit und ohne existentielle Not zu ermöglichen.


Demoinfos auch im Radio
Am 04.10. gibt es bei Ve.Ra – verquer.Radio eine ganze Sendung zum Thema Seenotrettung im Mittelmeer. Es werden auch Menschen von uns in der Sendung sein, um über die aktuelle Situation an den EU-Außengrenzen und die Lage der NGOs zu sprechen; Und natürlich wird es auch noch einmal um unsere geplante Fahrraddemo am Samstag (06.10.) in Stralsund gehen. Ab 21.00 Uhr könnt ihr die Sendung auf 98.eins live mithören.
Der Countdown läuft
Save The Date: 06.10.2018 Stralsund “Baut Brücken – Keine Mauern“
Fahrraddemo der Initiative Seebrücke Mecklenburg-Vorpommern
Derzeit sterben tagtäglich Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer, weil ihnen das universale und international verbriefte Recht auf Rettung aus der Seenot verweigert wird. Während einerseits vor Ort nahezu keine staatlichen Strukturen in der Lage oder gewillt sind, die Seenotrettung effektiv zu übernehmen, werden zeitgleich die freiwilligen zivilen Seenotretter*innen mit fadenscheinigen Begründungen massiv an ihrer Arbeit gehindert und kriminalisiert. Im Mittelmeer zeigt Europa gerade sein wahres Gesicht: NGO-Mitarbeiter*innen und Kapitän*innen von Rettungsschiffen stehen nicht trotz, sondern wegen ihres Einsatzes für die Wahrung von Menschenrechten und die Einhaltung geltenden Seerechts vor Gericht.Hierzulande ist es hingegen sehr still geworden um die humanitäre Katastrophe vor Europas Grenzen. Die Medien berichten kaum noch über das Sterben auf hoher See, geschweige denn die unrechtmäßige Festsetzung der Rettungsschiffe. Es wird der Eindruck vermittelt, die sogenannte „Flüchtlingskrise“ sei endlich „überstanden“ und „gemeistert“. Dabei werden nicht nur erfolgreich die erschreckenden Bilder und Szenen auf dem Mittelmeer ausgeblendet. Die Hintergründe, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat aufzugeben und die entbehrende und lebensgefährliche Flucht in Richtung Europa auf sich zu nehmen, werden gar nicht erst thematisiert. Damit wird vermieden, dass die Rolle der Industriestaaten und ihrer wirtschaftlichen Dominanz in dieser Tragödie allzu sehr in den Fokus des öffentlichen Diskurses gerät, hieße dies doch, sich mit den Zusammenhängen zwischen dem eigenen Wohlstand und dem Elend der Verlierer*innen unseres Wirtschaftssystems auseinanderzusetzen. Das mediale Feld wird in Europa daher weitgehend dem konservativen und rechten politischen Spektrum überlassen, welches unter anderem die Seenotretter*innen als sogenannte „Schlepperbanden“ diffamiert, die Fluchtursachen und -hintergründe verklärt und die unzähligen Toten verhöhnt.
Die internationale und dezentrale Bewegung „Seebrücke – schafft sichere Häfen!“ tritt diesem Trend entgegen und macht europaweit mit umfangreichen kreativen Aktionen und Kampagnen auf die verzweifelte Situation der Betroffenen und ihrer verhinderten Retter*innen aufmerksam. Am 06.10.2018 wollen auch wir hier im Norden ein deutliches Zeichen gegen das Schweigen und Wegsehen setzen. Wir wollen der Welt zeigen, dass es beim Grundrecht auf ein lebenswertes Leben und körperliche wie seelische Unversehrtheit keine Ausnahmen oder Bedingungen geben kann. Schwingt Euch auf Euer Rad, erklimmt gemeinsam mit uns die Höhen der Rügenbrücke in Stralsund und verleiht mit Eurer Stimme unseren gemeinsamen Forderungen den Nachdruck, der sie unüberhörbar werden lässt! Kampf den Fluchtursachen, nicht den Flüchtenden! Gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer! Für sichere Transferrouten nach Europa und einen menschenwürdigen Umgang mit den hier Ankommenden! Baut Brücken, keine Mauern!






































