Seebrücken Bewegung erneut Ziel einer rechten Attacke

In der Nacht zum Freitag wurde an einem Greifswalder Hausprojekt ein Spruchband der Bewegung Seebrücke – schafft sichere Häfen! von bislang unbekannten Täter*innen abgerissen und entwendet. Bereits im August wurde auf ähnliche Art und Weise ein Seebrückenbanner am Jugendzentrum Klex zerstört. Beide Spruchbänder wurden zeitgleich im vergangenen Sommer gehisst, als zahlreiche Vereine und Initiativen Greifswalds auf diesem Weg ihre Solidarität mit den Anliegen der Seebrücke-Bewegung zeigten. Diese setzt sich für einen menschenwürdigen Umgang mit den Flüchtenden ein, die in der lebensgefährlichen Überquerung des Mittelmeeres oftmals den einzigen Ausweg aus der Bedrohung von Krieg, Verfolgung, Unterdrückung und existentieller Not sehen.

„Auch bei dieser Attacke muss von einer politisch motivierten Tat aus dem rechtsradikalen Milieu ausgegangen werden“ schätzt Stella Maris-Fischer, Sprecherin der Initiative Seebrücke in Mecklenburg-Vorpommern, die Situation ein. Anders ließe sich diese klar gerichtete Aktion nicht deuten. „Der gewählte Zeitpunkt ist sicherlich kein Zufall und an Zynismus nicht zu überbieten. Wenn ausgerechnet zum Jahrestag der Novemberpogrome Spruchbänder, die für einen menschlicheren und gerechteren Umgang der Menschen untereinander plädieren, zerstört werden, offenbart sich damit ganz deutlich, in wessen Tradition sich die Täter*innen selbst verorten.“

Eine Bewohnerin des betroffenen Hausprojektes betont, dass „die Attacke einmal mehr zeigt, wie alltäglich inzwischen Angriffe und Anfeindungen für all jene geworden sind, die sich dem derzeitigen Rechtsruck in Europa mit einer klaren Position entgegenstellen.“ Die Bewohner*innen des Hauses prüfen nun, rechtliche Schritte einzuleiten, machen sich jedoch wenig Hoffnung, dass dies zu ernsten Konsequenzen für die Täter*innen führen wird: „In Greifswald scheint die Beurteilung der Frage, wie schwer die Entwendung eines Stoffbandes wiegt, zwischen den Einzelfällen offenbar doch sehr verschieden auszufallen. Wir lassen uns von derartigen Angriffen jedenfalls nicht einschüchtern und werden auch künftig unser Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen.“

Die Initiative Seebrücke – schafft sichere Häfen! ist eine europaweite und dezentrale Bewegung, die sich im Sommer aufgrund der sich zuspitzenden Lage der Flüchtenden im Mittelmeer entwickelt hat. Unter ihrem Namen engagiert sich eine wachsende Zahl von Menschen in lokalen Gruppen, um der Kriminalisierung und Blockierung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer entgegenzutreten. Die Aktivist*innen fordern sichere Transferrouten für Flüchtende nach Europa und einen menschenwürdigen Umgang mit den Menschen, die es bis hierher geschafft haben. Sie wollen mit ihren zahlreichen Aktionen und Kampagnen weiterhin darauf hinarbeiten, dass die europäischen Länder sich zu ihrer Verantwortung für die Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekennen und künftig darauf hinwirken, den Menschen dort ein sicheres und würdiges Leben zu ermöglichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.