Offener Brief an die Bürgerschaft der Hansestadt Greifswald

Erklärt Greifswald zum sicheren Hafen!

Sehr geehrte Mitglieder der Greifswalder Bürgerschaft,

seit Monaten eskaliert die humanitäre Katastrophe im südlichen Mittelmeer, bei der Tag für Tag unzählige Menschen bei dem Versuch, auf ihrer Flucht vor Krieg, Verfolgung und existentieller Not die sicheren Häfen Europas zu erreichen, in den Fluten des Mittelmeeres ertrinken.
Wir Europäer*innen werden nicht müde, unseren Kontinent als Wiege der Demokratie und Humanität zu glorifizieren, machen aber derzeit bei dieser Krise vor unseren Grenzen eine wahrlich schlechte Figur. Statt sich mit den eigentlichen Fluchtursachen auseinanderzusetzen und diese zu bekämpfen, konzentrieren sich die Anstrengungen Europas, inklusive Deutschlands, vor allem darauf, sich gegen die angeblich drohende „Flut“ an Flüchtenden aus dem Süden abzuschotten. Dafür werden zwielichtige Regimes und ihre Milizen für das Abfangen von Flüchtenden vor Europas Grenzen mit Unsummen an europäischen Steuergeldern bezahlt und die Fluchtbarrieren in immer gefährlichere Gegenden verschoben.

Besonders tragisch gestaltet sich derzeit die Flucht über das Mittelmeer. Dort wird derzeit die spendenfinanzierte zivile Seenotrettung kriminalisiert und blockiert, und viele der Aktivist*innen stehen dort nicht trotz, sondern wegen ihres Engagements für die Einhaltung der Menschenrechte, der internationalen Flüchtlingskonvention und des geltenden Seerechts vor Gericht. In Folge dessen steigt die Zahl der Toten derzeit kontinuierlich an und Expert*innen vermuten, dass inzwischen jeder fünfte Mensch bei dem Versuch, auf der Flucht das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben kommt.

Um die dafür verantwortliche Außenpolitik der Europäischen Union moralisch zu rechtfertigen, wird zumindest auf Bundesebene gerne darauf verwiesen, dass es hierzulande an Aufnahmekapazitäten und entsprechenden Ressourcen mangele. Deutschlandweit besinnen sich allerdings wieder viele Kommunen und Städte auf ihre Grundsätze der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft und widersprechen diesem unhaltbaren Mythos des „zu vollen Bootes“, indem sie ihre Bereitschaft zur Aufnahme weiterer Flüchtender erklärten. Zu den zahlreichen Städten, welche sich inzwischen als derart „sicherer Hafen“ deklariert haben, gehört neben den Großstädten Berlin, Köln, Hamburg und Bremen auch Greifswalds Partnerstadt Osnabrück.

Wir möchten Sie hiermit dazu auffordern, es den Gemeindevertreter*innen dieser vielen Städte gleichzutun und deutlich Farbe zu bekennen. Greifswald soll sich als die bunte, offene, hilfsbereite und humanistisch geprägte Stadt offenbaren, als die sie gerne wahrgenommen werden will. Mit der Erklärung Greifswalds als „sicherer Hafen“ können Sie heute ein Symbol setzen und damit zeigen, dass es hier in unserer Stadt keinen fruchtbaren Boden für eine menschenverachtende Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal von notleidenden Menschen gibt – ganz gleich woher sie stammen mögen.

Initiative Seebrücke – schafft sichere Häfen! in Mecklenburg-Vorpommern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.