Schafft sichere Häfen!

PM zur Fahrraddemonstration der Initiative Seebrücke

Zahlreiche Aktivist*innen der Initiative Seebrücke waren am heutigen Samstag auf ihrem Zweirad unterwegs, um mit einer Fahrraddemonstration durch die Innenstadt Stralsunds und über die Rügenbrücke auf die anhaltende humanitäre Katastrophe im südlichen Mittelmeer aufmerksam zu machen. Mit mehreren Redebeiträgen – teils von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer – und der Enthüllung eines 30 Meter langen Banners auf dem Gipfel der Rügenbrücke brachten die Teilnehmer ihr Unverständnis und ihre Empörung über die Außenpolitik der europäischen Staaten zum Ausdruck.
„Wir finden es unerträglich, dass mit unserer aggressiven Wirtschaftspolitik Menschen in anderen Teilen dieser Erde in existentielle Not gebracht werden und dann unglaubliche Summen an Steuergeldern investiert werden, um bereits weit vor den Grenzen der EU unüberwindbare Barrieren zur Abwehr der davon betroffenen Menschen errichten zu lassen“, fasste Stella Maris-Fischer, Sprecherin der Seebrücke in Mecklenburg-Vorpommern, die Motivation vieler Seebrücke-Aktivist*innen zusammen. „Dass in diesem Zusammenhang der Tod hunderter Menschen nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern durch die Kriminalisierung und widerrechtliche Unterbindung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer gezielt forciert wird, ist für viele Bürger*innen eines, sich als humanistisch gebenden Europas, undenkbar“, so Maris-Fischer weiter. „Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit Aktionen wie der heutigen Demonstration auf die unverändert katastrophale Lage im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Ich freue mich sehr, dass heute so viele unserem Aufruf gefolgt sind und auch, dass wir so viel positives Feedback von den Menschen in Stralsund bekommen haben.“
Moralisch unterstützt wurde die Aktion auch vom Bildungslogger „Lovis“, der am Nachmittag vor der Rügenbrücke kreuzte und sich mit einem entsprechend bedruckten Großsegel („No one is illegal“) mit den Aktivist*innen auf der Brücke solidarisch zeigte.

Die dezentrale, internationale Bewegung Seebrücke – schafft sichere Häfen! formierte sich im Frühjahr diesen Jahres spontan in verschiedenen Städten Europas, als die Behörden mehrerer Mittelmeerstaaten mit Nachdruck die zivile Seenotrettung zunächst als kriminell diffamiert und dann mit fadenscheinigen Begründungen nahezu vollständig unterbunden haben. Seitdem dürfen die meisten zivilen Seenotrettungsschiffe nicht mehr auslaufen, obwohl derzeit keine hinreichende staatliche Infrastruktur vor Ort existiert, die das hohe Aufkommen an Seenotfällen bewältigen könnte. Expertenschätzungen gehen deswegen davon aus, das inzwischen etwa jede*r fünfte Flüchtende bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben kommt. Gleichzeitig werden die ehrenamtlichen Retter*innen derzeit in zahlreichen Gerichtsverfahren angeklagt. Dies geschieht nicht trotz, sondern wegen ihres Engagements zur Einhaltung geltenden Seerechts und der Menschenrechte. Die Initiative fordert unter anderem ein Ende der Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung und eine wirkliche Bekämpfung der Fluchtursachen, die darauf abzielt, den Menschen in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit und ohne existentielle Not zu ermöglichen.

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