Pressemitteilung

Aktion Seebrücke fordert auf der Hanse Sail sichere Häfen für Geflüchtete

Mit einer überraschenden Protestaktion haben am gestrigen Samstag um die 30 AktivistInnen der Initiative „Seebrücke – schafft sichere Häfen!“ während der Rostocker Hanse Sail auf die derzeitige humanitäre Katastrophe im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Gegen 16.00 Uhr ertönte ein schriller Pfiff an der NDR Bühne, worauf viele Menschen in orangenen Schwimmwesten auf den Boden fielen und still liegen blieben. Einige PassantInnen blieben stehen und schauten erschrocken auf die Liegenden, welche symbolisch für die Ertrunkenen mahnten. Andere AktivistInnen verteilten gleichzeitig Flyer und hielten Plakate hoch, um ihre Forderung „Schafft sichere Häfen!“ deutlich zu machen.

Darüber hinaus solidarisierten sich zahlreiche, an der Hanse Sail teilnehmende Schiffe durch das Hissen von orangenen Flaggen oder Schwimmwesten mit der Seebrücke-Bewegung und den kriminalisierten Seenotrettern im Mittelmeer. „Wir freuen uns sehr über diese positive Resonanz aus der Traditionsschiffer-Szene“ meinte dazu Stella Maris-Fischer, die Sprecherin der Seebrücke Mecklenburg-Vorpommern, „gerade Seeleuten ist klar, dass es bei der Rettung von Menschenleben auf See keinen an Hautfarbe oder Herkunftsland geknüpften Unterschied geben darf – Nirgendwo!“

Jedes Jahr finden sich während der Hanse Sail in Rostock hunderttausende Menschen ein, um Traditionsschiffe zu bestaunen, sichere Hafenrundfahrten zu erleben, Konzerte zu hören und das Wochenende bei Sonnenschein am Meer zu genießen. In diesen Tagen fahren täglich Schiffe aufs Meer, um ihren Passagieren Sport, Spaß und Entspannung zu verschaffen. Dass das Meer jedoch auch gefährlich sein kann, zeigten in den letzten Jahren viele Medien, welche von den ertrunkenen Geflüchteten berichteten. Mit ihrer gestrigen Protestaktion wollte die Initiative auf die politischen Missstände aufmerksam machen, welche täglich Menschenleben im Mittelmeer fordern.

Die internationale und dezentrale Bewegung „Seebrücke – Schafft sichere Häfen!“ fordert neben den sicheren Flüchtlingsrouten auch, dass zivile Rettungsschiffe im Mittelmeer nicht mehr kriminalisiert werden. Denn wer Rettungskräfte behindert, macht sich strafbar. Niemand würde hierzulande mit Absicht einen Krankenwagen blockieren. Nichts desto weniger passiert genau das aber gerade an den Außengrenzen der EU: Rettungsschiffe ziviler Organisationen werden festgesetzt, blockiert und dürfen teilweise nicht mehr in die Häfen einlaufen. Auch dem Aufklärungsflugzeug Moonbird der zivilen Seenotrettungsorganisation Seawatch wurde inzwischen mit fadenscheiniger Begründung die Flugerlaubnis verwehrt. Dies hat direkte, tödliche Konsequenzen für viele Flüchtende. So starben bis Anfang Juli in diesem Jahr nach offiziellen Angaben bereits 1400 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, wobei die Dunkelziffer allerdings um ein Vielfaches höher sein dürfte. Die derzeitigen Bestrebungen seitens der Behörden, die RetterInnen wegen ihres Einsatzes für die Einhaltung des geltenden internationalen Völker- und Seerechts sowie ihrer humanitären Hilfeleistungen vor Gericht zu stellen, erweckt vor diesem Hintergrund einen besonders zynischen Eindruck.

[Foto: Bildwerk Rostock]

weitere Fotos der Aktion: https://www.flickr.com/photos/145027352@N06/sets/72157700087628155/with/30112731938/

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